Markel – das sind die Produktneuerungen im VH-Bereich

23.05.2019 | Fachartikel

Vermögensschadenhaftpflichtversicherungen nehmen in einer immer stärker vernetzten und global agierenden Wirtschaftswelt einen immer höheren Stellenwert ein. Auch Versicherungsmakler öffnen sich zunehmend diesen vielschichtigen Anforderungen, die immer mehr mit Technisierung, Digitalisierung und den Prozess- und Arbeitswelten auf Kundenseite in Verbindung stehen. Aber es zeichnet sich auch ab, dass wir es hier mit einem begehrten und somit auch stark umkämpften Wachstumssegment zu tun haben. Markel Insurance SE hat im April 2019 ihre Vermögensschadenhaftpflicht (VH) Produkte weitreichend erneuert. Stephan Lindner, Leiter des Underwritings bei Markel Insurance SE spricht darüber mit dem experten Report.

Herr Lindner, wie entwickelt sich der Markt der VH in Deutschland?

Stephan Lindner: Es ist deutlich zu sehen, dass die Dienstleistungsbranche immer weiter wächst. Das Wachstum ist signifikant. In den Bereichen Digitalisierung, IoT (Internet of Things) und IT sogar besonders stark ausgeprägt. Auch Markel verzeichnet in der Sparte IT den stärksten Anstieg. Diese positiven Entwicklungen begründen sich in den Umsatzsteigerungen unserer Kunden und einer größeren Abschlussbereitschaft für eine VH-Versicherung. Verstärkt wird diese Bereitschaft durch professionell geschlossene Dienstleistungsverträge, die wiederum Versicherungsvorgaben enthalten. Ein gutes Beispiel dafür ist die Einführung neuer Pflichtversicherungen im Bereich der Immobilienverwaltung im letzten Jahr. Dies hatte die Anzahl abgeschlossener VH-Versicherungen der Immobilienverwalter um das Sechsfache zum Vorjahr erhöht.

Wie nehmen Sie persönlich diese Entwicklung wahr?

Sehr positiv. Wir hatten durch die Neuerungen der DSGVO zuerst viele Bedenken, was sich im Bereich der VH verändern würde, insbesondere in Bezug auf eventuelle Forderungen in Verbindung mit Datenschutzverstößen. Doch wir sind hinsichtlich des Umgangs unserer Kunden und der Datenschützer mit dem Thema DSGVO positiv überrascht. Die ursprünglichen Bedenken haben sich glücklicherweise nicht bestätigt. 

Positiv ist auch, dass sich Versicherungsmakler immer mehr mit der VH-Thematik auseinandersetzen und vertraut machen, selbst wenn sie in dem gewerblichen Bereich nicht so aktiv waren. Wir unterstützen hier mit unterschiedlichen Hilfsmitteln, wie zum Beispiel Webinaren, Informationsbroschüren oder auch Marktvergleichen, damit unsere Vertriebspartner ihre Kunden in der Dienstleistungsbranche bestmöglich unterstützen können.

Empfinden Sie die VH-Sparte komplexer als die Betriebs- oder Produkthaftpflicht?

Meiner Meinung nach ist die Haftpflichtversicherung generell sehr komplex und eine Abschätzung der Schadenhöhe ist vergleichsweise schwierig. Bei Markel bieten wir eine Kombination aus Vermögensschaden-, Betriebs-, Produkt-, Umwelthaftpflicht und Umweltschadenversicherung an. 

Auf der einen Seite besteht also der komplexe VH-Bereich. Hier können Auftragnehmern Schäden im Bereich der Umsatzeinbußen, Vermögensschmälerungen, Schadenersatzforderungen entstehen. Auf der anderen Seite steht die Betriebshaftpflichtversicherung (BHV), die insbesondere bei IT-Unternehmen sehr komplexe Risiken mit beispielsweise großen Serveranlagen und daraus entstehenden Umweltrisiken birgt. Markel bietet aktuell für die Cyber-Versicherung einen Versicherungssummen-Ermittlungsbogen, der künftig auch für alle VH-Produkte zur Verfügung steht, mit einem klaren Ziel: die Komplexität hinsichtlich Risikoanalysen, Versicherungssummenermittlung und Beratungsunterlagen heraus zu nehmen. So kann dem Versicherungsmakler sowohl die VH als auch die BHV vereinfacht werden. Künftig bieten wir diese Erleichterung für alle VH-Produkte von Markel an.

Markel bietet einige neue Produkte. Wie sehen die Neuerungen im Detail aus?

Gestartet sind wir mit Neuerungen für fünf Produkte: Markel Pro IT, Markel Pro Media, Markel Pro Dienstleister, Markel Pro Berater und Markel Pro Cyber. Generell wurde bei allen Produktneuerungen darauf geachtet, vorhandene Deckungslücken, die für den Kunden problematisch sein können, mit dem neuen Versicherungsumfang abzusichern. Das ist auch für unsere Vertriebspartner von Vorteil: Stichwort Ausschluss Maklerhaftung.

Erstens, knapp 60 Prozent unserer Kunden schließen mit der VH auch ein Cyber-Add-on oder eine Cyberpolice ab. Deshalb ist sicherlich eine der wichtigsten Neuerungen unser Cyber-Präventionspaket, das in Kooperation mit Perseus ab sofort in jedem Markel-Produkt für alle Neu- und Bestandskunden angeboten wird. Diese kostenfreien Zusatzleistungen beinhalten präventive Schulungen, die die Mitarbeiter hinsichtlich Cybersicherheit und Datenschutz fit machen und so die Verbraucher vor Cyberangriffen schützen. Das Präventionspaket beinhaltet unter anderem auch gezielte Video-Trainings zu Schulungszwecken, Tipps wie man Phishing-Mails erkennt, einen Passwort-Generator und einen Führerschein für Datenschutz und Cybersicherheit.

Zweitens, das Antragsmodell wird digitaler. Konkret heißt das, es kann nun komplett auf die Unterschrift verzichtet werden, da durch die Einwilligung in Form eines „Häkchensetzens“ bei der Schlusserklärung, der Antrag elektronisch geprüft und automatisch per E-Mail versendet wird. Mit der neuen Logikprüfung können Fehler bei der Antragserstellung vermieden und der Prüfprozess effektiver und schneller gestaltet werden.

Das dritte Highlight ist die Reduzierung des Selbstbehalts bei gleichbleibender Prämie.

Viertens, wir bieten mit der Patenthaftpflichtversicherung eine weitere Neuerung. Aufgrund einer anhaltenden Nachfrage im Bereich der gewerblichen Schutzrechte versichern wir nun nicht nur Urheberrechte oder Wettbewerbsrechte, sondern auch die Verletzung von Patentrechten.

Fünftens ermöglichen wir die Rückwärtsversicherung ohne Bestehen eines Vorversicherungsvertrages. 25 - 30 Prozent der Unternehmen, die bei uns eine Versicherung abschließen, sind Start-ups. Für diese haben wir bis zu zwölf Monate Rückwärtsschutz ohne Bestehen einer Vorversicherung. Für alle anderen Unternehmen bieten wir sechs Monate Rückwärtsschutz an.

Eine weitere Neuerung ist der Entfall der Begrenzung der Nachhaftung. Bisher betrug die Nachmeldefrist zehn Jahre. Diese entfällt nun komplett und Versicherungsnehmer können – auch über die zehn Jahre hinaus – Schäden nachmelden.

Und last but not least ermöglichen wir nun die Nachhaftung bei dauerhafter Berufsaufgabe für unsere Produkte mit Schadensereignistheorie. Schadensereignisse, die nach Beendigung des Versicherungsschutzes (Rente oder Eintritt in Festanstellung) noch eintreten, versichern wir für fünf Jahre ohne Zahlung einer Nachhaftungsprämie. So stellen wir sicher, dass dem Kunden keine Versicherungslücken entstehen.

Denken Sie, dass seitens der Versicherer genug getan wird, um den Bedarf am Markt abzudecken?

Der VH-Markt ist stark umkämpft. Innovationen werden von allen Seiten gefordert. Kunden sind immer besser informiert und die Digitalisierung schreitet weiter voran. Infolge dessen nehmen auch die Neuerungen seitens der Produktanbieter zu. Ich denke es wird genug getan, um dem Anspruchsdenken unserer Kunden zu entsprechen. Bei meinem Start in der Versicherungsbranche vor fast 20 Jahren gab es im Jahr 2000 einen VH-Versicherer-Kongress, der Bedingungen für die VH festgehalten hat. Danach hatte sich fast 15 Jahre nicht viel getan. Teilweise nutzen einige Versicherer 19 Jahre später immer noch diese Bedingungen als Grundlage. Diese Anbieter müssen darauf achten nicht den Anschluss zu verlieren. Für die anderen wiederum, die sich hier innovativ verhalten, werden sich die Kunden entscheiden. 

Ist die Überzeugungsarbeit in punkto VH in der Praxis groß?

Unterschiedlich. Teilweise haben Makler beratungsresistente Kunden, die viel einfordern. Dafür müssen wir gut gerüstet sein. Wir bereiten oft Schadensbeispiele vor, die sehr individuell auf diesen speziellen Kunden zugeschnitten sind, damit sich der Kunde damit identifizieren kann. Gleichzeitig erfahren wir auch eine gewisse Erleichterung bei der Überzeugungsarbeit: einerseits durch die neuen Pflichtversicherungen und die Anforderungen der Auftraggeber einen Versicherungsschutz nachweisen zu müssen. Andererseits beraten viele Makler ihre Kunden autonom. Wir können uns dann auf die Frage konzentrieren: Warum Markel und nicht ein anderer Versicherer?

Sie haben bereits die Digitalisierung angesprochen. Würden Sie folgende Prognose abgeben: Der Trend geht zur Digitalisierung?

Ja, definitiv. Als Stichwort zur Digitalisierung seien hier die InsurTechs und FinTechs zu nennen. Wir entwickeln uns als Versicherer immer weiter hin zu einem umfangreicheren Dienstleister, die Versicherungsleistung inklusive. Deshalb hat Markel einen komplett neuen Bereich mit Assistance-Leistungen etabliert. Hier bieten wir Kunden unter anderem einen Online-Rechtsservice, der beispielsweise die AGB für die Webseite bei Neugründung, Arbeitnehmerverträge, Mietverträge, und so weiter durch Juristen prüft und die Dokumente rechtssicher macht. 

Ein weiterer Bestandteil ist das Online-Forderungsmanagement. Hier helfen wir in Kooperation mit einem Inkassodienstleister, dass Endkunden ihre Forderungen schnellstmöglich geltend machen können. Der Dritte Teil ist das angesprochene kostenfreie Cyber-Präventionspaket. Datenschutz ist ein großes Thema, denn hier kommt es schnell zu Schadensersatz oder Bußgeldern. Durch das Präventionspaket können der sichere Umgang mit IT, die richtige Reaktion im Cyber-Schadensfall und weitere Präventionsmaßnahmen erlernt werden.

Wenn Sie einen Wunsch für das Thema VH frei hätten, wie sähe der aus?

Mein Wunsch ist, dass sich Innovationen immer weiter entwickeln und von der VH in die BHV übergehen. Als kleiner letzter Ausblick: Markel wird die reinen Betriebshaftpflichtrisiken unter die Lupe nehmen  und für interessante Branchen die Innovationen, die wir für die VH einführen, auch auf die BHV übertragen – Stück für Stück natürlich. Wir hatten kleinere Startprojekte mit den Produkten Markel Pro Ambulante Pflege und den Vereinshaftpflichtversicherungen. Noch im dritten Quartal wird die BHV weiter gestärkt werden.

Herr Lindner, vielen Dank für das ausführliche Gespräch.

23.05.2019 - Fachartikel - Stephan Lindner, Leiter des Underwritings bei Markel

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